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Das Wirtschafts- und Sozialgeographische Institut

Das Wirtschafts- und Sozialgeographische Institut, gegründet 1950, gehört der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln an.
Die geschäftsführende Direktorin ist Prof. Dr. Martina Fuchs.
Die Lehre ist ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Studierenden der Betriebs-, Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften sowie der Regionalwissenschaften Lateinamerika, Ostasien und Mittelosteuropa, die im Rahmen ihrer jeweiligen Studiengänge "Wirtschafts- und Sozialgeographie" belegen können.

Was macht Wirtschaftsgeographie?

Die Wirtschafts- und Sozialgeographie beschäftigt sich mit Fragen von Globalisierung und Lokalisierung. Untersucht werden die Kapazitäts- und Kompetenzverteilungen in transnationalen Unternehmen. Dabei werden die Voraussetzungen und Folgen an verschiedenen Standorten und in den betroffenen Regionen mit quantitativen und qualitativen Verfahren analysiert.
In der Lehre ist die Wirtschafts- und Sozialgeographie im Bachelor in die Integrativen Sozialwissenschaften sowie in die interdisziplinär angelegten Profilgruppen eingebunden. Im Master bietet das Fach eine Vertiefung in einem eigenständigen Minor "Wirtschafts- und Sozialgeographie" an. Außerdem können die Diplomstudiengänge der WiSo-Fakultät und der Regionalwissenschaften weitergeführt werden.
Das Fach weist damit eine besonders hohe Vernetzung innerhalb der Fakultät auf; diese Interdisziplinarität wird noch dadurch erhöht, dass die Wirtschaftsgeographie in alle drei Regionalwissenschaften (Lateinamerika, Ostasien, Mittel-/Osteuropa) eingebunden ist, die in Kooperation mit der Philosophischen Fakultät angeboten werden.

Warum Wirtschaftsgeographie?

Auszüge und leicht verändert zitiert aus: Fuchs, M., Leupolt, B., Diez, J.R., Schamp, E.W. 2002: Wirtschaftsgeographen - ihre Ausbildung, ihre Kompetenz und ihr Markt. In: Rundbrief Geographie, Nr. 179, S. 6-8.

Wirtschaftsgeographen haben sich eine Vielfalt an Berufsfeldern sowohl in politikbezogenen Bereichen als vor allem auch in der Privatwirtschaft erschlossen. Ausgehend von der räumlichen Planung als Querschnittsressort der öffentlichen Hand sind sie stärker als zuvor in Tätigkeiten der Wirtschaftsförderung, Öffentlichkeitsarbeit, der Umweltberatung sowie Entwicklungszusammenarbeit auch bei internationalen Organisationen vorgedrungen. In der Privatwirtschaft finden sich Tätigkeiten in der Standortberatung, Marktforschung, Standort- und Regionalanalyse (etwa in der Industriewirtschaft oder im Handels-, Finanz- und Immobiliensektor), in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit und anderen Feldern der Unternehmens- und Politikberatung sowie bei Verbänden.

Die günstigen Berufsaussichten in diesen Tätigkeitsbereichen ergeben sich für Wirtschaftsgeographen zum einen aus einer breiten wirtschafts- und methodisch bezogenen Ausbildung sowie zum anderen durch die individuelle Spezialisierung. Neben dem Erlernen wirtschaftsgeographischer Grundlagen ist es deshalb für die Studierenden ratsam, eigene Interessenschwerpunkte und Berufsvorstellungen zu identifizieren und die Ausbildung gezielt nach diesen auszurichten: z. B. durch einschlägige Praktika, auch im Ausland, sowie ein entsprechend ausgerichtetes Thema der Abschlussarbeit.

Wirtschaftsgeographen können dadurch

  • ökonomische Prozesse auf der lokalen und regionalen Ebene aus der Perspektive des wirtschaftenden Akteurs erkennen und verstehen
  • makroökonomische Strukturen und Prozesse erkennen und im Hinblick auf einzelwirtschaftliche Handlungsmöglichkeiten bewerten
  • die Inzidenz wirtschaftspolitischer Regelsysteme und regionalpolitischer Instrumente analysieren und bewerten sowie ggf. neue Instrumente entwickeln
  • die Implikationen einzelwirtschaftlicher Handlungen für gesellschaftliche Zielsetzungen sowie die Implikationen gesellschaftlicher Normen und Normänderungen für einzelwirtschaftliches Handeln erkennen und bewerten.

In theoretisch-fachlicher Hinsicht umfassen diese Kenntnisse u.a.

  • Standorttheorien und Standortsystemtheorien
  • regionale Wachstumstheorien, regionale Innovationstheorien, evolutionsökonomische Ansätze
  • Theorien der multinationalen Unternehmen sowie der Internationalisierung
  • sozio-ökonomische und politische Governance-Formen / Formen der Regulation auf verschiedenen Maßstabsebenen.

Die Wirtschaftsgeographie ist eine empirische Wissenschaft. Daraus folgt der Anspruch an eine ausgeprägte fach-methodische Kompetenz in

  • Verfahren der DV-gestützten Informationsrecherche, Informationsverarbeitung und Informationspräsentation,
  • Verfahren der quantitativen und qualitativen Sozialforschung zur Gewinnung von Primärdaten,
  • dem Einsatz eines zielgerichteten 'Mix' von quantitativen und qualitativen Verfahren,
  • der Erstellung von Fallstudien, vor allem in der Unternehmensforschung.

Diese fach-methodischen Kompetenzen schließen die Fähigkeit, DV-gestützte Programmpakete anwenden zu können, ein (z. B. Statistikprogramme, GIS-Programme, Grafik-Programme).

Angesichts der zunehmenden Anforderungen der meisten Berufsfelder für Wirtschaftsgeographen erhalten die Studierenden auch Übung auf dem Gebiet der Gesprächsführung, Moderation und Präsentation.

Mit ihrer fach-inhaltlichen und fach-methodischen Kompetenz erwerben Wirtschaftsgeographen insgesamt

  • die Fähigkeit zur selbständigen Bearbeitung neuer Problemfelder
  • die Fähigkeit zu ganzheitlich orientiertem und vernetztem räumlichen Denken
  • die Fähigkeit zu Kritik- und Problemlösungen in disziplinärer und interdisziplinärer Teamarbeit.